Der Baobab

Baobab Pulver und Baum

Weil er den Bewohnern der Savanne neben Nahrung und Baumaterial vor allem Wasser spendet, ist der Baobab seit Jahrhunderten als „Lebensbaum” bekannt. Fast alle seine Teile verwenden die afrikanischen Naturvölker außerdem zur Herstellung traditioneller Heilmittel.

Ein Baum von beeindruckender Statur

Mit seiner charakteristischen Silhouette prägt der „Affenbrotbaum” die Landschaft der Savanne. Er erreicht nicht selten eine Höhe von 25 Metern und sein Geäst bildet eine Krone von bis zu 20 Metern Durchmesser. Zu erkennen ist der Baobab an seinen handförmigen Blättern und der grauen glatten Rinde. Da der Baum mehrere tausend Jahre alt werden kann, kennt er keine Eile: Bis zur ersten Blüte lässt er sich zwanzig Jahre Zeit und seine eiförmigen Früchte erscheinen erst rund ein halbes Jahr später. Unter deren hölzerner Schale verbirgt sich ein brüchiges weißes Fruchfleisch, das haselnussgroße und sehr fetthaltige Samen umschließt.

Wertvolle Wasserquelle

Das Fällen eines Baobab gilt in der Savanne als Frevel: Schließlich ist der Baum in vielen Gegenden ein wichtiger Teil der Wasserversorgung – besteht doch sein Stamm aus schwammartigen Fasern. Diese können – ebenso wie das weit verzweigte Wurzelwerk – hervorragend Wasser speichern, weshalb der Baum selbst extreme Trockenzeiten ohne Schäden übersteht. In einem stattlichen Exemplar können sich bis zu 140.000 Liter Wasser verbergen. Es stellt daher keinen Zufall dar, dass sich viele Savannen-Dörfer in direkter Nachbarschaft zu einem Affenbrotbaum befinden. Die Bewohner legen im ausgehöhlten Stamm des Baobab Zisternen an, in denen sich neben Wasser aus dem Stamm auch Tau sammeln kann. Den Baum stört dieser Eingriff nicht: Er wächst trotzdem gesund weiter.

Der „Supermarkt” der Savanne

Die Afrikaner haben für alle Teile des Baobab Verwendung: Das Fruchtfleisch verarbeiten sie nach dem Trocknen zu Pulver und stellen daraus einen nahrhaften Brei oder Bier her. Die Blätter kommen als Gemüse in den Kochtopf: In Nigeria verarbeitet man sie zum Beispiel am liebsten zu „Kuka-Suppe”. Da die Rinde des Baobab – ähnlich wie bei der Korkeiche – nachwächst, wird auch sie „geerntet”. Aus ihren starken Bastfasern lassen sich Kleidung, Hüte oder sogar Dächer für die traditionellen Lehmhütten herstellen. Die Asche der Rinde dient als Dünger oder kommt bei der Seifenherstellung zum Einsatz.

Kraftvolles Zentrum

Auch bei Krankheiten vertrauen die Afrikaner seit jeher auf die Kraft des „Lebensbaumes”, dessen ballaststoffreiche Früchte sich durch einen hohen Gehalt an Vitamin C und Kalzium auszeichnen. Während die Früchte in der traditionellen Medizin als probates Mittel bei Atemwegsinfekten gelten, werden die Blätter bei Magen-Darm-Problemen empfohlen. Mit den Samen behandeln die Heiler unter anderem Stammesmitglieder, die an Malaria erkrankt sind.

Nicht zuletzt machen seine majestätische Statur und seine Rolle als Lebensspender den Baobab zu einem spirituellen Kraftort. In seinem Schatten finden Märkte, Versammlungen und wichtige Verhandlungen statt.